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Wingershausen

 

Wingershausen - Kleines Dorf mit großer Vergangenheit
 
Wingershausen gehört nach der Kernstadt Schotten zweifelsohne zu den geschichtsträchtigsten Stadtteilen der Stadt Schotten. Der Ort, beziehungsweise die Kirche Wingershausen, traten erstmals im Jahr 1016 urkundlich in Erscheinung.
Der Mainzer Erzbischof Erkanbald ließ in Wingershausen eine Kirche errichten und versah sie mit einem großen Sendgebiet. Die Markbeschreibung der Kirche zu Wingershausen ist in zwei Fassungen erhalten. Die eine hat uns Pistorius, trad. Fuld.p. 497, überliefert; die andere findet sich im Codex Eberhardi p. 174 a & b (Dronke, Trad. et antiqu., Cap.16) wieder.
Welche Bedeutung dieser Kirchengründung zugemessen wurde, sieht man auch aus der Vielzahl der Patrozinien (himmlische Schutzherrschaft eines Heiligen über eine Kirche):
St. Peter und Paul, St. Bonifatius, St. Alexander, St. Processus und Martinianus, St. Martin, St. Ambrosius sowie St. Agnes und Scholastika.
Das große Kirchspiel Wingershausen, dessen Pfarrer von 1331 bis zur Reformation um 1526 in einer Art Lehensverhältnis zum Probste und Konvent des Frauenklosters (Zisterzienserinnen) Blankenau (bei Fulda) standen, umschloss demnach folgende (heutige) Gemarkungen:
Wingershausen, Eichelsachsen, Eschenrod, Busenborn, Breungeshain, Michelbach, Herchenhain, Hartmannshain, Sichenhausen, Kaulstoß, Burkhards, sowie die am linken Niddaufer liegenden Teile der Gemarkungen Eichelsdorf, Rainrod und Rudingshain.
Die fränkische Landnahme in Hessen erfolgte, vom Rhein-Main-Gebiet ausgehend, zwischen dem 6.-8. Jahrhundert. Überall entstanden neue Siedlungen, die nach und nach, die Flussläufe hinauf, den Vogelsberg erreichten. Irgendwann in dieser Phase entstand Wingershausen. Nach der etymologischen Forschung fällt die Gründung vieler der Orte mit Endsilbe „-hausen“ in die Zeit 700 bis 900 nach Christus. In alten Urkunden wird der Name des Ortes mit Winigereshusum (Winigereshusen) beschrieben. Der Ortname könnte die Bedeutung „zu den Häusern des Winniger“ (Speerfreund, d.h. ein Krieger, der gern mit dem Wurfspeer kämpft) gehabt haben. Wie bereits erwähnt, war von der Mitte des 14. Jahrhunderts bis zur Reformation die Pfarrei Wingershausen in das Zisterzienserinnenkloster Blankenau inkorporiert. Dies bedeutete, dass das Pfarrvermögen Teil des Klostervermögens geworden war und das Kloster über die Einkünfte aus dem Pfarrvermögen für seine Zwecke verfügen konnte. Es musste nur so viel aus diesen Einkünften an einen für Verrichtung des Pfarrdienstes auf die Dauer angestellten Priester abzweigen, wie dieser zum angemessenen Lebensunterhalt benötigte.
Die erforderliche Zustimmung des Erzbischofs von Mainz (Heinrich der VI. von Virneburg) zur vom Abt von Fulda (Heinrich der VI. von Hohenberg) betriebenen Inkorporation konnte erst nach 17 Jahren erreicht werden.
Die Zustimmung zu dieser Inkorporation gab Papst Johannes XXII. am 30. Juni 1328 in Avignon.

Registriert ist die Bulle von Pabst Johannes XXII. im Registrum Vaticanum 92 des Vatikanarchivs, Regest der Bulle in
(E.VOGT U.A.) Regesten der Erzbischöfe von Mainz 1289 1396, Band I (Leipzig 1913), Nr. 2929.Eine Abschrift des 16. Jahrhunderts in einem Blankenauer Kopiar finden wir im STAATSARCHIV MARBURG, Kopiar 423, Nr. 176.


Die Inkorporation endete nach etwa zwei Jahrhunderten um 1530 mit der Reformation in der Landgrafschaft Hessen und dem Vertrag von Hitzkirchen. Klosterrechte wurden grundsätzlich vom Landgrafen eingezogen.

Nach und nach schieden die einzelnen Gemeinden aus dem Pfarrbezirk Wingershausen – zuerst Breungeshain im Jahre 1067 und zuletzt Eschenrod im Jahre 1681 – aus. Nur Eichelsachsen verblieb bis heute, ununterbrochen, bei Wingershausen.
Über mehrere Jahrhunderte hinweg gehörte Wingershausen zum Gerichtsbezirk Burkhards, der identisch war mit den Grenzen des Kirchspiels Wingershausen in seiner Ausdehnung im Jahre 1016. Dieses Gericht war ebenso wie das im Osten angrenzende Gericht Crainfeld eine Verwaltungseinheit und ein Gerichtsbezirk im Mittelalter und in der frühen Neuzeit. Es gehörte zuerst zur Grafschaft Nidda, später zur Landgrafschaft Hessen.
Das Ende des Gerichtes Burkhards kam mit der völligen Umgestaltung des Staates, zu dem es gehörte. Aus der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt war 1806 beim Untergang des alten Deutschen Reiches im Zuge einer großen Erweiterung das Großherzogtum Hessen geworden. Nach dem Inkrafttreten der neuen Hessischen Gemeindeordnung 1821 wurde die, aus dem Mittelalter, überkommene Gerichtsorganisation abgeschafft. Das Gebiet des Gerichts Burkhards gehörte jetzt zum neu gebildeten Landkreis Schotten.
Im Zuge der Gebietsreform des Landes Hessen von 1970 bis 1974 wurde Wingershausen am 31. Dezember 1971 ein Stadtteil von Schotten, das heute zum Vogelsbergkreis gehört.
Der Ort, mit seinen derzeit annähernd 400 Einwohnern, hat nicht nur eine große geschichtliche Vergangenheit, sondern beeindruckt auch heute auf vielfältige Art und Weise.
Über die Oberhessische Region hinaus bekannt ist die „kleinste Schokokussfabrik der Welt“ in der Unteren Weinbergstraße.
Seit dem Jahre 2013 wird in Wingershausen wieder Wein angebaut. Auf Empfehlung der Rebforschungsanstalt in Geisenheim wurden für den Vogelsberg geeignete Reben der Sorten Rondo, Bolero und Solaris gepflanzt. Der bereits in einer Schenkungs-Urkunde aus dem Jahre 1187 des Grafen Berthold II. von Nidda an den Johanniterorden nachgewiesene Weinanbau in Wingershausen wurde damit neu belebt.
Zwei Einrichtungen bestimmen heute das Ortsbild, nämlich das Alten- und Pflegeheim „Haus Martin“ in der Oberen Weinbergstraße und das Postzustellungszentrum für die Städte Schotten, Gedern und die Gemeinde Hirzenhain in der Rangstraße.
Mittelpunkt des Ortes ist allerdings das imposante Kirchengebäude, das in den Jahren 1903/04 nach einem größeren Umbau in unverputztem Basaltmauerwerk auf den Grundmauern der im Jahre 1016 gebauten Kirche errichtet wurde. Der von dem bekannten Kirchenbaumeister Ludwig Hofmann, Herborn geplante Kirchenumbau wurde im Neugotischen Stil errichtet und entpuppt sich praktisch als Neubau. Das Kircheninnere ist geprägt durch Jugendstil-Ornamente an den Fenstern, der Deckenbemalung, dem Kirchengestühl und den Bodenfliesen. Für eine evangelische Kirche ungewöhnlich sind die farbigen Fenster. Das Chorfenster mit der Darstellung der Kreuzigung Christi bildet hier den Mittelpunkt. Auffallend ist der spätgotische Taufstein aus Reichensachsen bei Eschwege, 1966 hier aufgestellt und das ebenso der Spätgotik zugerechnete Kruzifix über dem Altar.

 

Am Fuße des Kirchenhügels finden wir das in den Jahren 1911/12 im Stil einer Villa errichtete Pfarrhaus. In unmittelbarer Nähe der Kirche sehen wir die ehemalige Schule, die heute mit dem im Jahre 1964 errichteten Dorfgemeinschaftshaus verbunden ist und das Dorfbackhaus, das immer noch genutzt wird, sowie den Kinderspielplatz.
 
Geprägt wird die Landschaft um Wingershausen vom Eichelbach, der oberhalb von Breungeshain auf der „Holzwiese“ entspringt und nach ca. 18 km bei Eichelsdorf in die Nidda mündet. Steil abfallenden Uferregionen bei Wingershausen und Erhebungen wie „Schöner Stein“, „Waltersköppel“ und „Eichelsberg“ („Eckerschberg“) prägen die Landschaft. Bereits im 19. Jahrhundert erhielt diese Landschaft die Bezeichnung „Wingershäuser Schweiz“. Seit 1995 ist die „Wingershäuser Schweiz“ auch wegen „der besonderen Eigenart und hervorragenden Schönheit der Landschaft“ unter Naturschutz gestellt.
Pfarrer Ferdinand Ludwig Briegleb, der von 1867 bist 1894 in Wingershausen als Pfarrer wirkte und der Mitbegründer des Vogelsberger Höhenclubs (VHC) im Jahre 1881 war, inspirierte diese Landschaft zur Dichtung des Vogelsbergliedes:

 

                                                             Dir, meinem Vogelsberg, gelte mein Lied.
                                                             Nennt man dich Bergezwerg, bist doch ein Glied,
                                                             Kettenglied deutscher Höhn, die hoch zum Himmel 
                                                             sehn. Bist ein Stück Vaterland, nur nicht ...
 
das viele als die Vogelsberger Nationalhymne sehen.
Mehr über Wingershausen, die Menschen die hier lebten oder leben, erfährt man aus der umfangreichen Ortschronik, die von Wingershäuser Bürgern anlässlich des 1000­jährigen Kirchenjubiläums im Jahre 2016 herausgegeben wurde. In diesem Jubiläumsjahr hat sich Wingershausen, mit Zustimmung der Schottener Stadtverordnetenversammlung, auch ein Ortswappen gegeben, das Zeugnis gibt von der langen Geschichte des Ortes.
 
Autor: Wilhelm Schuchard (Mitglied im Arbeitskreis Historie Wingershausen)


 

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