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Betzenrod

Betzenrod, ein kleines Dorf am Südwesthang des Vogelsberges, dürfte zwischen 800 - 1300 n Chr. gegründet worden sein. Nach geschichtlichen Gesichtspunkten sind in diesem Zeitraum Siedler aus dem Wetteraugebiet nach Norden gezogen und haben sich am Süd- und Südwestabhang des Vogelsberges niedergelassen.
Das Dorf erscheint im Jahre 1379 unter dem Namen Betzenrode und 1466 als Benzinrode.
Aus der Sage zur Gründung ist zu entnehmen, dass die Gründer des Ortes Betz und Pries geheißen haben sollen und dass einer der ersten Männer oberhalb des Dorfes am sogenannten  "Heinzelhof" gewohnt habe, währenddessen die Scheune unterhalb des Dorfes in der "Schauernhostatt" gestanden haben soll.

Der Heinzelhof ist heute noch bekannt. Eine Straße wurde nach ihm benannt. Die erste Scheune, somit die "Schauernhobstatt" dürfet westsüdlich des Buchenwäldchens, welches in früheren Jahren als Schinnwasen bezeichnet wurde, gestanden haben. Schinnwasen waren in früheren Jahren der Ort, wo alle Tierkadaver und sonstige tierischen nicht verwertbaren Teile vergraben wurden. Der Nachweis über die frühgermanische Besiedlung des Vogelsberges wurde durch Funde im Bereich der Betzenröder Gemarkung untermauert. So wurden Steinbeile gefunden und am "Hegerich" wurde 100 m unterhalb der "Rechten Niddastraße" ein Basaltblock mit einer Schleifmulde für Steinbeile der Schnurkeramiker ausfindig gemacht. Die Felsengruppe, vielleicht ein Heiligenstock, am "Öwerlug" lässt auf eine heidnische Kultstätte schließen, man nennt es "Wildfrauhaus" (Welfraahaus).

 

Der Hofteich und auch der oberhalb von Betzenrod gelegene und zwischenzeitlich verschwundene Bescheteich wurden zum Waschen der Schafe vor der Schur verwendet. Im Sommer wurde der Hofteich auch als Badeteich verwendet (hauptsächlich für Kühe hütende Kinder). Man kann das Baden im Hofteich als eine der wenigen Freizeitvergnügen der schulpflichtigen Kinder bezeichnen. Morgens ging man in die Schule und Mittags mit den Kühen an die Weide.

 

Betzenrod lag abseits von verkehrsträchtigen Straßen. Oberhalb des Ortes, am Ober- und Unterluch führte die alte Frankfurter Str., eine mittelalterliche Straßenverbindung zwischen Lauterbach und Frankfurt, vorbei. Man erzählt sich noch heute, dass in früheren Zeit die Leute teils mit Schubkarren ihre landwirtschaftlichen Erträge auf der genannten Straße nach Frankfurt gefahren haben. Neben der Straßenkreuzung, alte Frankfurter Str., Altenhainer Str. hießen die Äcker "Am Zollstock", was auf eine Zollstelle mit Schranken hindeutet. Dort musste man im Mittelalter an der Laubach-Solm´schen Grenze zum Schottener Gebiet Wegegeld bezahlen. Etwas näher an die Außenwelt reichte unser Ort durch die mit vielen Schwierigkeiten (Enteignungsverfahren, nächtliche Beschädigung der Gleise und dgl.) errichtete Eisenbahnlinie Nidda-Schotten im Jahre 1888, welche am 26.05.1888 in Betrieb genommen wurde.

 

Auch der Ausbau der Laubacher Straße, die am 23.11.1936 fast durchgehend gepflastert dem Verkehr übergeben wurde, war ein wesentlicher Schritt zur verkehrsrechtlichen Erschließung des Ortes. Die "Plasterschossi" (Pflasterstraße) mit "Roubank" (Ruhebank) und Hirzbergswald mit Klinghangchaussee war bei schönem Wetter der sonntägliche Aufenthaltsort der Jugend.

 

Weiter bekannt wurde der Ort durch das Rennen: "Rund um Schotten", das am 13.07.1925 erstmals ausgetragen wurde und bereits 40.000 Besucher anlockte. Im Jahre 1937 wurde der Weidweg als Zufahrtsstraße zur Rennstrecke ausgebaut. Dadurch hatte der Ort , anlässlich des Rennens einen starken Durchgangsverkehr zu verzeichnen, bzw. viele Besucher stellten ihre Fahrzeuge hauptsächlich Fahrräder und Motorräder) am Ort ab, übernachteten oft in Scheunen und gingen zu Fuß zum Rennen.

 

Betzenrod liegt in einer durchschnittlichen Höhenlage von 380 m ü. NN, wogegen die gesamte Gemarkung einen Höhenunterschied von 300-500 m aufweist. Der alte Dorfkern war um den Dorfbrunnen angesiedelt, der heute noch sein kühles Wasser in einen Steintrog fließen lässt. Bis zum Jahre 1953 in dem eine erste Tiefenbohrung den örtlichen Wassernotstand, in strengen Wintern und trockenen Sommern beendete, diente der Brunnen und der dabei liegende "Dangborn" (Tauchbrunnen), aus dem Wasser für das Vieh geschöpft wurde, der örtlichen Wasserversorgung. Die Häuser des alten Siedlungskerns sind meist Bauernhäuser gewesen, bei denen sich Wohnhaus, Stall und Scheune unter einem Dach befanden. Heute sind sie fast alle durch Abbruch, Umbau oder anderen Baumaßnahmen weit von ihrer Originalität entfernt und tragen dazu bei, dass der ursprüngliche Bergdorfcharakter weitgehend untergegangen ist.

 

Über die Einwohnerzahlen der Gemeinde Betzenrod von der Gründung und Folgezeit ist wenig bekannt. Im Jahre 1590 soll der Ort nur 28 Häuser gehabt haben. Im Jahre 1851 waren es bereits 72 und 1858 77. Bis zum Jahre 1900 hat sich diese Zahl nicht verändert. Zur Zeit stehen in Betzenrod ca. 178 Häuser. Nachdem die Einwohnerzahlen vom Jahre 1900 bis zu den Kriegsjahren konstant bei ca. 340-350 Einwohner lagen, stiegen diese bedingt durch Heimatvertriebene und Flüchtlinge aus dem Sudetenland, aus Schlesien und aus Ostpreußen auf 470 Einwohner. Der Mangle an außerlandwirtschaftlichen Arbeitsplätzen im Vogelsberg veranlasste jedoch die Neubürger wieder zur Abwanderung in die Industriestandorte, so dass im Jahre 1950 noch 422 Einwohner und 1961 nur noch 186 Einwohner vorhanden waren. Heute hat der Ort bedingt durch die Erschließung des Neubaugebietes 539 Einwohner, davon 451 ev., 60 kath. und 28 ohne Konfession. Weiterhin sind noch 67 Personen mit zweitem Wohnsitz gemeldet. 

 

1910 bestand Betzenrod meist aus gering bemittelten Landwirten. Die Hauptbeschäftigung der Ortsansässigen bestand im Ackerbau. Des weiteren waren Leineweber, sowie Schmiede, Schuhmacher, Schneider, Messerschmiede, von denen noch heute Messer vorhanden sind und Schreinerwerkstätten am Ort vorhanden. Nach 1945 gab es zwar noch eine Schmiede, einen Wagner, einen Schneider und auch einen Schuster, die jedoch wegen des Strukturwandels verschwanden. Eine in 1957-1956 durchgeführte Befragung ergab, dass bei insgesamt 17 Familien Webstühle gestanden haben sollen. An den Webstühlen wurde unter Zusatz von Flachs, Schafwolle und Baumwolle Stoffe für Kleider, Mäntel und Anzüge hergestellt. So hat sich die Berufsstruktur im Ort wesentlich verändert. Waren in den 50er und 60er Jahren hauptsächlich Kleinwirte, die in den beiden Baugeschäften als Maurer und Hilfsarbeiter ihrem Broterwerb nachgingen, so sind es heute viele Ortsansässige, die neben ihrer Landwirtschaft im Baugeschäft ihren Lebensunterhalt verdienen. Heute hat sich die Arbeit der Maurer, Weißbinder und Holzmacher gewandelt. Maurer und Weißbinder arbeiten bedingt durch moderne Hilfsmittel und dgl. fast das ganze Jahr durch, während die Holzmacher auch ganzjährig in ihrem Beruf tätig sind. 

 

Die Landwirtschaft im Ort, wurde wie bereits schon erwähnt früher als der Ackerbau betrieben und besteht heute überwiegend aus Viehwirtschaft und Milcherzeugung. Sie hatte viele Rückschläge zu verzeichnen. Am 28.07.1857 vernichtete ein Hagelschlageinen großen Teil der Feldfrüchte. Dazu kam eine anhaltende Dürre und eine drückende Hitze, wodurch nur eine knappe Ernte zu verzeichnen war. Das gleiche Schicksal ereilte die Landwirte im Jahre 1910.  Aus dem Jahre 1816 und 1817 wird gemeldet, dass es sich in diesen Jahren um zwei besonders nasse Jahre gehandelt hat. Das Gegenteil wird aus dem Jahre 1893 berichtet. Infolge einer großen Dürre, die bereits im Frühjahr begann, bestand im Sommer akuter Futtermangel. Die Staatsforstverwaltung wurde angewiesen, alle Waldwege und Schneisen ohne erhöhte Preise den Bauern zu überlassen. Das Getreide, soweit es aufgegangen war, wurde für Futterzwecke abgemäht. Jedoch konnte das Vieh nicht alles gehalten werden und musste zu Spottpreisen abgegeben werden. Eine Hilfe kam seinerzeit aus Amerika. Mit Dampfern wurde mehrere tausend Pressballen Heu, Palmkornschrot und andere Futtermittel ausgeliefert. Die Landwirte waren jedoch auch zu dieser Zeit Stolz auf ihren Berufsstand. so wurden die Wiesen, lt. einem Bericht aus 1886 mit Gipsphosphat gedüngt, dadurch gab es einen Mehrertrag von 75%. 

 

Eine wesentliche Existenzsicherung bestand auch in der Schafhaltung. Jährlich wurde die Stelle des Schäfers ausgeschrieben. Im Mai wurden die Schafe, teils auch vom Schäfer, geschoren und die Wolle anschließend nach Schotten zum Kämmen gebracht. In den Wintermonaten saßen dann die Frauen mit ihren Spinnrädern und spannten wolle. Die Wolle wurde hauptsächlich zu Strümpfen, Jacken ("Wams") und in den früheren Jahren auch zu Unterwäsche (Leibchen u. dgl.) verstrickt. Für die Kinder gab es eine besonderen Spaß. Am tag der Schafschur konnte der Schäfer die Schafe nicht hüten. Die Schulkinder hatten aus diesem Anlass Schulfrei und hüteten die Schafe. Dabei wurden Eier, Wurst, Speck, Geld und dgl. gesammelt. Bereits im Jahr 1893 gab es Maßnahmen zur Bodenverbesserung. Eine wesentliche Änderung in der Flächenstruktur brachte das im Jahr 1964 abgeschlossene Flurbereinigungsverfahren

 

Die Schule wurde bis 1843 in den Räumen über der Kirche abgehalten. Über die Zeit der Gründung einer Schule ist nichts bekannt. Das alte Schulhaus wurde 1843/44 gebaut. 1858 betrug die Schülerzahl 70. Seit dem 4. November 1860 bestand in der winterlichen Zeit eine Industrieschule zum Unterricht der weiblichen Schuljugend in Handarbeit. Die schule wurde in Betzenrod bis zum Kriegsende 1945 einklassig geführt. Durch die ausgebombten und aus den Großstädten evakuierten Familien und durch die später hinzugekommenen Flüchtlinge und Heimvertriebenen aus den ostdeutschen gebieten und aus der Tschechoslowakei hatte sich die Bevölkerungszahl so stark erhöht (422), dass die Schülerzahl um 1950/51 so groß war, dass zeitweise 2 Lehrkräfte unterrichten mussten. 1968 wurde im ehemaligen Garten der Schule ein Neubau für die Grundstufe (Klasse 1-4) für 32500€ errichtet. Im Jahre 1969 wurde die Oberstufe /Klasse 5-8) nach Schotten überführt, ebenso im Jahre 1974 die Grundstufe.

 

Am 22. September 1929 wurde das Kriegsdenkmal für die 21 gefallenen Betzenröder Soldaten des 1.Weltkrieges vor dem Friedhof "Unter den Linden" eingeweiht.

 

Am 25. November 1963 enthüllte und weihte der Pfarrer Christ, Schotten, "Unter den Linden" das Ehrenmal für 47 Opfer des zweiten Weltkrieges mit den 2 Bronzetafeln, auf denen die Namen der Gefallenen der beiden Weltkriege aufgeführt sind. Die Einwohner halfen durch großzügige Spenden bei der Finanzierung.

 

Das Vereinsleben in Betzenrod war schon immer rege. So wurde 1883 ein Kriegerverein gegründet, der am 27.03.1885, einen Tanz abhielt und am 19.06.1891 das Bezirkfest mit Fahnenweihe, Zapfenstreich, Festzug und dgl. ausrichtete. Heute hat Betzenrod noch einen Gesangsverein, die Freiwillige Feuerwehr, den Schützenverein mit seiner Fußballabteilung und Gymnastikgruppe, den Karnevalclub und einen Kleintierzuchtverein. Viele Jugendliche spielen beim Musikverein Schotten mit.

 

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