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Klimawandel

„Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer“ lautet ein bekanntes Sprichwort. Ähnlich verhält es sich beim Klimawandel: Ein paar heiße Tage, ein starker Regenguss oder eine ungewöhnliche lange Trockenperiode sind für sich allein genommen noch kein Beweis für ein sich wandelndes Klima. Doch haben wir sehr gute Gründe anzunehmen, dass wir als Menschheit dabei sind, die Zusammensetzung der Atmosphäre und ihren Strahlungshaushalt zu verändern und auf diese Weise mittelfristig das Wettergeschehen sowie langfristig das Klima erheblich zu beeinflussen.  Der Begriff „Klima“ ist wissenschaftlich definiert als statistisch gemittelter Zustand der Atmosphäre über einen längeren Zeitraum hinweg, in der Regel mindestens 30 Jahre.
 

Der Sommer 2015 mag mit seinen hohen Temperaturen, die laut Deutschem Wetterdienst in Hessen 2,4 °C über dem langjährigen Mittel lagen, und seiner Trockenheit ein Vorgeschmack auf zukünftig häufiger auftretende Sommer gewesen sein. Der Sommer 2016 sorgte vor allem mit seinen Starkniederschlägen für Schlagzeilen, die nicht nur in Schotten zu lokal begrenzten Überschwemmungen geführt haben. Solche scheinbar gegenläufigen Entwicklungen stellen keinen Widerspruch zur Erklärung des vom Menschen verursachten Klimawandels dar. Die Temperaturtrends weisen für Hessen und Deutschland seit einigen Jahrzehnten nach oben. Erwärmte Luft ist in der Lage, mehr Wasserdampf aufzunehmen. Zwar kann aus den vorliegenden Messreihen noch kein eindeutiger Trend abgelesen werden, doch ist die Zunahme von intensiven Niederschlagsereignissen zumindest physikalisch plausibel. Das Wetter wird voraussichtlich häufiger durch extreme Ereignisse gekennzeichnet sein.
 
Der Mensch als Klimafaktor
Neben geologischen Prozessen (z.B. Vulkanausbrüchen) und dem natürlichen Kohlenstoffkreislauf der Biosphäre (Photosynthese der Pflanzen und des Phytoplanktons) ist es zunehmend der Mensch, der durch die Verbrennung fossiler Kohlen(wasser)stoffe wie Erdöl, Erdgas oder Kohle zu Kohlendioxid (CO2) und durch die Freisetzung von weiteren Treibhausgasen (z.B. Methan oder F-Gase) in Landwirtschaft oder Industrie die Zusammensetzung und den Strahlungshaushalt der Atmosphäre maßgeblich beeinflusst. Das aus der Verbrennung fossiler Energieträger und aus Landnutzungsänderungen (z.B. Entwaldung für den Sojaanbau oder zur Viehhaltung) stammende CO2 – jährlich mehr als 30 Mrd. Tonnen – und weitere anthropogene (d.h. vom Menschen verursachte) Treibhausgase reichern sich in der Atmosphäre an. Es ist übrigens nachgewiesen, dass der atmosphärische Zuwachs an CO2 größtenteils aus der Verbrennung von fossilen Brennstoffen stammt, denn die Zusammensetzung der Kohlenstoff-Isotope verrät dies ebenso wie der Nachweis der Kohlenstoff-Zusammensetzung in pazifischen Korallenriffen oder die Abnahme des atmosphärischen Sauerstoffs, der bei der Verbrennung gebunden wird (vgl. die Abstracts zu Manning et al. 2006, Pelejero et al. 2005  oder diesen SPON-Beitrag).
Die Zunahme an Treibhausgasen in der Atmsophäre wirkt wie eine zusätzliche Dämmung für unseren Planeten. Die auf der Erdoberfläche und in der Atmosphäre in langwellige Strahlung umgewandelte, kurzwellige Sonnenstrahlung wird verstärkt in der Atmosphäre absorbiert und entweicht nicht mehr so leicht zurück in den Weltraum. Neben dem natürlichen Treibhauseffekt der Atmosphäre, der vor allem durch atmosphärischen Wasserdampf und CO2 verursacht wird und übrigens bewirkt, dass wir anstatt  -18 °C  eine globale Mitteltemperatur von etwa 15 °C haben, kommt es so zu einem zusätzlichen Strahlungsantrieb, der sich am deutlichsten in dem vielerorts in den vergangenen Jahrzehnten beobachteten Temperaturanstieg in den oberflächennahen Luftschichten bemerkbar macht. Für Hessen beispielsweise ergeben die Temperaturmessreihen für die Periode 1901-1930 einen Mittelwert von 8,0 °C, für die Periode 1951-1980 ein Jahresmittel von 8,2 °C. Für den Zeitraum 1981-2010 wurden bereits 8,8 °C als Mittelwert verzeichnet.
 
Es wird nicht nur einfach wärmer
„Macht doch nichts, dann wird es halt ein bisschen wärmer!“ „Klimawandel, das hat es in der Erdgeschichte doch schon immer gegeben“. Solche und ähnliche Äußerungen bekommt man immer wieder zu hören, wenn es um den vom Menschen verantworteten Klimawandel geht. Und es mag auf den ersten Blick vielleicht verlockend erscheinen: Wer hat schon etwas gegen mediterranes Klima und Flair an der deutschen Nord- und Ostseeküste einzuwenden? Doch wie so häufig: Die Dinge sind leider etwas komplizierter gelagert. Es ist nicht absehbar, wie wir eine zunehmende Erderwärmung, wenn wir sie weiterhin ungebremst befördern, überhaupt noch aktiv beeinflussen könnten. Zudem vollzieht sich der Wandel schneller als er sich bei sonstigen natürlichen Ursachen vollziehen würde.
 
Durch sich wechselseitig verstärkende Effekte in den kommenden Jahrzehnten – etwa durch das Auftauen von Permafrostböden und dabei große Mengen an freigesetztem Methan (CH4), das ca. 25-mal so treibhauswirksam wie CO2 ist – laufen wir Gefahr, über Jahrtausende unumkehrbare Veränderungen für den Lebensraum Erde herbeizuführen. Schmelzendes Polareis, verschwundene Gletscher und ein steigender Meeresspiegel, der für die Überflutung von dichtbesiedelten Küstenregionen sorgt, sind dann nur die bekannteren Schreckensszenarien. Dass die ebenfalls bereits heute messbar saureren Ozeane für kalkskelettbildende Lebewesen schlechtere Lebensbedingungen aufweisen (weil das verstärkt von den Meeren aus der Atmosphäre aufgenommene und gelöste CO2 als Kohlensäure ein Kalklöser ist), dringt viel langsamer in das öffentliche Bewusstsein. Oftmals stehen diese Organismen jedoch am Anfang der Nahrungskette, oder bilden wie die Korallenriffe die Kinderstube für andere Meeresbewohner.
 
Gar nicht ausdenken möchte man sich, was wäre, wenn etwa durch sich wandelnde atmosphärische Zirkulationsmuster der ohnehin durch eine hohe zwischenjährliche Schwankungen gekennzeichnete Monsun (ein Wind- und Niederschlagsregime in den Tropen und Subtropen) auf dem indischen Subkontinent über Jahre hinweg ausbliebe. Er bildet die Nahrungsgrundlage für mehr als 1,4 Mrd. Menschen – also derzeit ungefähr für jeden fünften Erdbewohner. Solche Szenarien beschäftigen im Übrigen nicht nur Klimaforscher, besorgte Klimaschützer, UN-Organisationen oder die Welthungerhilfe, sondern werden bereits in den geopolitischen Überlegungen von Militärs und Denkfabriken weltweit durchgespielt. Was passiert etwa, wenn die ohnehin global schon hohen Flüchtlingszahlen noch einmal dramatisch zunehmen? Was etwa, wenn Ernteerträge weltweit immer höheren Schwankungen und Risiken ausgesetzt sind? Was, wenn der Wasserverbrauch einer wachsenden Weltbevölkerung vielerorts nicht mehr gewährleistet werden kann? Es steht also Einiges auf dem Spiel!
 
Klimaschutz geht alle an
Es ist relativ müßig sich darüber zu streiten, wer nun zuerst handeln sollte: Industrieländer oder Schwellenländer? Stehen Industrie und Wirtschaft oder die privaten Haushalte oder aber die öffentliche Hand in der Pflicht? Fest steht: Viel Zeit zu handeln bleibt nicht mehr. Ohne ein konsequentes, übergreifendes und gemeinsames Vorgehen und einen grundlegenden Wandel von Handlungs- und Konsummustern und unserer Produktionsverfahren sowie bei der Erzeugung und Verwendung von Energie und weiteren Rohstoffen wird der vom Menschen verursachte Klimawandel nicht einzudämmen sein. Wir stehen also alle gemeinsam in der Verantwortung und vor großen globalen Herausforderungen, egal ob als Konsumenten, Bürger, Politiker oder Unternehmer – in welchem Land auch immer.
 

Drei Säulen für den Wandel
Gemeinhin wird als Lösungsansatz auf die Drei-Säulen-Strategie verwiesen: die Einsparung von Energie, die breite Nutzung von Effizienztechnologien und der Umstieg auf erneuerbare Energien. Um das im Dezember 2015 auf der Klimakonferenz in Paris gesteckte Ziel zu erreichen und die Erderwärmung gegenüber dem vorindustriellen Niveau auf etwa 1,5 °C zu begrenzen, müssen die Treibhausgasemissionen weltweit zwischen 2045 und 2060 praktisch auf null gesetzt und sogar anschließend ein Teil des ausgestoßenen CO2 aus der Atmosphäre zurückgeholt werden. Um ohne den Einsatz der dafür nötigen CCS-Technologie (Carbon Dioxide Capture and Storage – CO2-Abscheidung und Speicherung) auszukommen, ist für die Zieleinhaltung die komplette Einstellung der Verbrennung fossiler Energieträger sogar bis ca. 2040 notwendig. D.h. für die vollständige Umstellung der Energieversorgung auf erneuerbare Energien in den Sektoren Strom, Wärme und Verkehr verbleiben etwa 25, maximal 45 Jahre.
 
Die gute Nachricht: Jede/r kann etwas tun
Da wir alle in unserem Alltag über unseren Konsum zum CO2-Austoß beitragen, haben wir auch einen direkten Einfluss auf seine Höhe. Jede/r von uns kann also etwas verändern. Und wir alle können bei uns selbst anfangen! Bewusster Umgang mit Energie, eine gezielte Kaufentscheidung für energieeffiziente Haushaltsgeräte oder klima- und umweltschonende Produkte und Dienstleistungen, die Nutzung des ÖPNV oder unterwegs sein mit Fahrrad oder zu Fuß – vieles ist gar nicht so schwer, schont das Portemonnaie, erhöht oftmals sogar die Lebensqualität und fördert dazu noch die Gesundheit.Anderes will natürlich gut geplant und gut durchdacht sein: Wie beheize ich zukünftig mein Haus oder meine Wohnung? Welche Sanierungsmaßnahmen sind erforderlich und für mich wirtschaftlich tragbar? Wie können wir unsere Produkte nachhaltig produzieren, wie den Energieeinsatz dabei minimieren?
 
Klimaschutz ist wirtschaftlich
Zugegeben: Klimaschutz ist nicht immer umsonst zu haben. Insgesamt müssen wir zusätzliche Investitionen in erneuerbare Energien und Effizienztechnologien tätigen, um die anvisierten Klimaschutzziele zu erreichen. Doch Analysen wie der Stern-Report von 2006 (eine Zusammenfassung auf Deutsch finden Sie hier), benannt nach dem britischen Star-Ökonomen, ehemaligem Weltbankchef und leitendem Autor der Studie, Sir Nicolas Stern, verdeutlichen, dass uns ein Abwarten und „Weiter so!“ langfristig aller Wahrscheinlichkeit nach noch wesentlich teurer zu stehen kommen dürften.
 
Klimaschutz zahlt sich also mindestens langfristig aus. Aber auch kurz- bis mittelfristig sind viele Klimaschutzmaßnahmen wirtschaftlich darstellbar. Jede eingesparte Kilowattstunde Energie muss nicht bezahlt werden. Lokal vor Ort und regenerativ erzeugte Energie erhöht zudem die regionale Wertschöpfung, stärkt damit die Wirtschaft vor Ort und trägt aktiv zum lokalen wie globalen Klimaschutz bei.
 
Im Herbst 2014 legte Stern noch einmal nach. In einem zweiten großen Klimabericht mit dem Titel „Better Growth – Better Climate“ - zu Deutsch „Besseres Wachstum – besseres Klima“ - stellten er und seine Mitautoren aus der OECD, der Weltbank, des Internationalen Währungsfonds und der Internationale Energieagentur dar, wie globaler Klimaschutz und weltweites Wachstum in Einklang gebracht werden können. Schlüssel zum Erfolg einer klimaverträglichen globalen Entwicklung sind demnach Investitionen in klimaschonende Infrastrukturen und Technologien, die bereits in den nächsten 15 Jahren getätigt werden sollten (Näheres dazu hier auf Englisch).

 

Förderkennzeichen 03K02641        

 


 

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